26.01.2004

Agritechnica - (High-) Leitschau Europas

Zoom
Klaus Ziegler, Geschäftsführer des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenbauer
(Rode-) Techniktrends in denkwürdigen Dimensionen


Die Ausstrahlung der größten europäischen Agrartechnik-Ausstellung Mitte November in Hannover hat (wieder einmal) nicht nur Technik-Freaks erfasst. Die Impulse, die von dem Ausgestellten und Vor-Ort-Erlebtem ausgehen, sind unverkennbar:



Immer größer werden nicht nur die Maschinen, sondern auch die Firmenzusammenschlüsse ... immer mehr Elektronik steuert die Arbeitsabläufe, entlastet den Fahrer und erhöht die Arbeitsqualität ... immer breiter, immer höher, aber auch immer schwerer werden die Landmaschinen, so dass stets bodenschonende Fahrwerkskonzepte gefragt sind - das eine ist ohne das andere nicht tolerierbar ... und folglich immer teurer wird die Anschaffung, die den Kundenkreis Richtung Großbetriebe, Lohnunternehmer und Maschinenring-Gemeinschaften einschränkt. Jedoch zeigten auch und vor allem mittelständische Landtechnik-Firmen Innovationen, die vom durchschnittlichen süddeutschen Einzelbetrieb noch zu nutzen und bezahlbar sind.
"Lets' go east" - die Osterweiterung der EU und noch mehr ... lassen grüßen!



Die internationale Ausrichtung der Märkte und die Strategie daraufhin, aber auch der feste Wille, die regionale Landwirtschaft zu versorgen, haben den Rübenbereich genauso erfasst.
Maschinen "Made in Germany" haben zwar einen guten Ruf; jedoch fragen mittlerweile immer mehr ausländische Kunden, ob Maschinen auch in der deutschen Landwirtschaft zufriedenstellend funktionieren. Das ist gerade beim Export in die großen Märkte des Ostens oder Nordamerikas ein wichtiges (Ver-)Kauf-Argument. Im Folgenden einige Beispiele



Franz Kleine Vertriebs- und Engineering GmbH

Die Franz Kleine Vertriebs- und Engineering GmbH hat sich über einen östlichen Investor konsolidiert und konzentriert sich weiterhin auf innovative Technik für Ernten, Reinigen und Laden. Im Rodebereich stehen ein neuer Köpfrodelader mit Zwischenbunker, der SF 10-2 und der Köpfrodebunker mit bodenschonender Breitbereifung (4 x 1050 mm Michelin-Reifen), der SF 20 zur Verfügung.

Die zweite Generation des SF 10 kann immerhin auf die Erfahrung von ca. 650 Maschinen des Vorgänger-Modells seit 1992 zurückgreifen. Die Firma wirbt mit neuem Integral-Häcksler (Verteilung der Blätter zwischen den Reihen oder über Seitenauswurf), kompakter Köpf-Rodegruppe, bewährter Walzenaufnahme und Fünf-Sterne-Reinigungssystem, niedrigen Gesamtgewichten und der Wendigkeit. Auf Wartungsfreundlichkeit wurde ebenso geachtet wie auf wirtschaftlichen Kraftstoffverbrauch durch leistungsstarke Motoren, die im optimalen Drehzahlbereich unter 1700 U/min. gefahren werden können ... ein Trend, der auch bei den anderen Erntemaschinen-Herstellern zu beobachten ist. 25 % Dieseleinsparung sind möglich! (www.franz.kleine.com)

Ein Hinweis noch an Transport-Gruppen: Die RL-200 SF "Maus" wird 2004 wieder offensiv beworben und gebaut - 2003 sind lediglich zwei Maschinen möglich gewesen (weiter unter www.franz-kleine.net).



Holmer

Holmer, mittlerweile der wichtigste Roderhersteller europaweit, glänzt im heiß umkämpften Rodermarkt durch seine bayerische Ruhe und Zuverlässigkeit. Dennoch ist er stets für eine Neuheit gut. Die insbesondere für trockenes, welkes Blatt und Spätverunkrautung modifizierte, unabhängig von einander einstellbare Köpf-Rodegruppe ist ebenso erwähnenswert wie die für seine Kunden (Maschinenringe, Lohnunternehmer) detaillierten Auswertungs- und Organisationsmöglichkeiten (mit Müller-Elektronik) oder der Teleservice über das Handy. "Knick" und Hundeganglenkung verleihen dem Terra Dos eine außergewöhnliche Wendigkeit und Hangeigenschaften. Automotives Fahren mit leistungsstärkeren Motoren und Drehzahlen um 1500 U/min senken den Kraftstoffverbrauch auf unter 30 l Diesel/ha. Die Maschine kennt mittlerweile (fast) jeder Zuckerrübenbauer, so dass nicht jedes Jahr die Prospekte auf den neuesten Stand gebracht werden müssen ... (weiter unter www.holmer-maschinenbau.de).



Ropa

Ropa hat seinem Eurotiger ein 9-reihiges "Gebiss" gegeben, um - nach eigenen Worten - auf Wünsche aus Osteuropa und Kanada reagieren zu können. Dieser Gigant ist für Standorte mit Erträgen unter 50 t/ha konzipiert und wo Bodendruck nicht im Focus steht. Das Förderband unter der Vorderachse ist das begrenzende Nadelöhr. Das Köpf-Rodeorgan ist nicht klappbar und müsste zum Straßentransport abgehängt werden; zudem verleihen ihm die 1050er Vorderreifen eine Straßenbreite von 3,60 m (!) - unsere Landratsämter werden aber schon bei 3,20 m nervös ...
Das Leergewicht klettert damit weit über 30 t. Apropos 30 ... so viele Jahre bietet die Firma Ropa schon innovative Technik bei der Rübenernte an - die Euromaus ist beim Rübentransport nicht mehr wegzudenken, sorgt sie doch für effizientes "sauberes" Verladen und weniger losen Anteil in den Lieferungen. Die Euromaus ist bald mit 8,70 m breiter Walzenaufnahme und/oder als RL 208 (= Kistenmaus) zu haben (weiter unter www.ropa-maschinenbau.de ). Stärke der drei vorgenannten Firmen ist, für Gebrauchtmaschinen noch einen lukrativen Markt zu eröffnen.



Grimme

Grimme kann sich bei seinem neuen 6-reihigen Köpf-Rodebunker Maxtron 620 (wir berichteten im September) über zwei Auszeichnungen freuen: Die DLG verlieh eine Silbermedaille, die Fachjournalisten des Deutschen Landwirtschaftsverlages machten sie gar zur Rodemaschine des Jahres 2004. Zehn Exemplare sind in der Erntesaison 2003 unterwegs und versuchen so einen Stand bzw. eine Position im Reigen der etablierten 6-Reiher zu finden. Die Ehrungen nehmen wohl das Ergebnis der groß angelegten Markteinführung 2003 vorweg - die Euphorie sollte sich jedoch in Grenzen halten. Zweifelsohne überzeugt der Maxtron 620 durch sein schonendes Walzen-Reinigungskonzept. Bei feuchtem, bindigem Boden kann jedoch die Siebbandaufnahme nach den Rodescheiben zusetzen - in diesem Jahr waren die Rodeverhältnisse durchweg meist ideal ...
Mit dem Gurtbandlaufwerk vorne und dem Doppelreifenlenkkopf hinten gewinnt die Maschine eine unschlagbare Wendigkeit am Vorbeet, aber auch an Gewicht ... und zurück zum "Stand": Ein rundum ausgeklügeltes Lenkmanagement ist gefragt; sonst verliert der Grimme Maxtron 620 manchmal die Reihen oder auch das Gleichgewicht. Die Seitenhangstabilität bei feuchtem, nassen Oberboden ist ein in 2003 nicht gekanntes Testfeld, das wohl die Praxis künftig noch lösen muss. Ähnliches gilt mit Blick auf den Bodendruck für ein Fahrwerkskonzept, das unter misslichen Einsatzbedingungen sicher länger fährt als jeder Reifenroder. Die Vorschußlorbeeren sorgen jedenfalls für Belebung auf einem hart umkämpften Markt, der 2004 vierzig Grimme-6-Reiher sehen soll (weiter unter www.franz-kleine.net ).



Agrifac

Den Vogel in diesem Segment schießt Agrifac mit seinem WKM Hexa ab, der als 9-reihiger oder als 12-reihiger Köpfrodebunker (mit 26 bzw. 33 t Fassungsvermögen) angeboten wird. Nicht nur die Ausmaße dieser "wahren Rodefabrik" erreichen eine neue Welt: 3,48 m Transportbreite (mit 1050er Bereifung 3,80 m), 14,10 m lang (ein angehängter Transportwagen für den Köpfer kann noch dazu kommen); Kommunen mit engen Straßendurchfahrten, Feldwegen und die heimischen Zulassungsbehörden sehen angesichts dieses Kolosses (im wahrsten Sinne des Wortes) "rot" - die Firmenfarbe ist also wohl gewählt. Der Hersteller rechnet plakativ vor: Dort, wo die 600 PS-Maschine fahren darf, wird die bekannte Leistung eines 6-Reihers verdoppelt bei lediglich 50 % höherer Investitionssumme. Dennoch muß ein Bereich ganz offen angesprochen werden: Die Bodenbelastung. Das dreiachsige Fahrwerk kann im Feld zwar abgestuft um eine Reifenbreite nach außen fahren, jedoch muss es bei vollem Bunker Gewichte tragen, die nicht mehr öffentlich vermittelbar sind. Zudem passt bei dieser Erntemaschine ein Abbunkern an einer Feldrandmiete nicht mehr ins Konzept. Folge: Es müssen Begleitfahrzeuge her, die mindestens 25 t Rüben (besser noch mehr) im Feld übernehmen können (weiter unter www.agrifac.nl ).



Die Abwägung der Wirtschaftlichkeit eines kurzfristigen Einsatzes mit den (langfristigen) Folgen einer nachhaltigen Agrarproduktion bleibt spannend. Auch wenn der "normale" Zuckerrübenanbauer zunehmend nur noch den Lohnunternehmer oder "Maschinenring" für die Arbeitserledigung bei der Ernte kommen lässt, muss dieser sich darüber im Klaren sein, dass nur er mit seinem Boden die Folgen tragen muss ... es sei denn der Gesetzgeber erscheint auf dem Plan. Grundlagenforschung tut not.



weitere Informationen: www.vsz.de/dzz/0306/ziegler-klaus.htm

Franz Kleine Vertriebs & Engineering GmbH
Ferdinand-Henze-Str. 6-10 - 33154 Salzkotten - Germany
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